Sonntag, 28. Februar 2016

Kann/Darf man als Veganer stillen?

Ja! Warum auch nicht? Wenn man sich gesund und ausgewogen ernährt, spricht absolut nichts dagegen, dass man als Veganer stillt. Der kleine Winterjunge ist inzwischen fast 15 Monate alt und wir stillen noch sehr gerne. Zwar überlege ich immer mal wieder wegen meiner Autoimmunerkrankung abzustillen, aber ich bringe es einfach noch nicht über's Herz. Ich merke, wie es mich manchmal schwächt, vor allem, wenn ich eh schon krank bin. Aber wir genießen es beide noch sehr und ich hoffe, dass es vorerst dabei bleibt. 

Nahrungsmittelergänzung

Ca. 2 Monate nach der Nahrungsumstellung auf vegan habe ich bei meinem Hausarzt Blut abnehmen lassen und den Eisenwert, die B-Vitamin-Werte und den Vitamin D-Wert bestimmen lassen. Die Kosten dafür muss man zwar selber tragen, aber da es hier nicht nur um meine eigene Gesundheit geht, habe ich das gerne in Kauf genommen. Die Werte waren, trotz großer Bedenken meinerseits, hervorragend. Trotz allem entschloss ich mich fortan Vitamin B12, Calcium, Zink, Vitamin D und Eisen als Nahrungsergänzungsmittel zu mir zu nehmen, einfach um auf Nummer sicher zu gehen. 

Vegan stillen und Calciumzufuhr

Gerade in Bezug auf das Stillen musste ich mir schon so manch einen Vorwurf anhören. Die Tatsache, dass wir nach dem ersten Lebensjahr noch stillen, war leider schon oft Grund genug für eine heftige Diskussion übers Langzeitstillen. Dass ich als Veganer stille, ist für viele unbegreiflich. Es wird dann von den Schäden, die das Kind nehmen könnte gesprochen.  Dass sich die Menschen, die mich über diese "Schäden" aufklären, oft viel ungesünder als ich ernähren, erwähne ich meistens nicht, da sich viele angegriffen fühlen, wenn ich Ihnen erläutere, dass das Schnitzel mit Pommes mittags nicht gesund ist, nur weil ein Salatblatt dabei liegt. Viele sorgen sich auch um die Calciumzufuhr, die ja nur mit Milchprodukten gedeckt werden kann. Aber ist das wirklich so? Warum gab es in den asiatischen Ländern (Japan, China...) keine (bzw wenig) Osteoporose? Und das, obwohl dort keine Milch bzw Milchprodukte konsumiert wurden? Die asiatische Küche ist reich an Gemüse und die biologische Verwertbarkeit des Calciums einiger Gemüsesorten (wie zB Brokkoli) ist wesentlich höher als die der Milch. Das Calsium in der Kuhmilch kann nur zu etwa 30% verwertet werden. 

Wenn man für jemanden mit isst, dann ist man so oder so in der Regel sorgsamer. Man achtet (egal ob als Veganer, Vegetarier oder Omnivore) darauf, was man in der Schwangerschaft und Stillzeit zu sich nimmt. Letztendlich wollen alle Mütter nur das Beste für ihre Kinder.  

Wodrauf habt ihr so verzichtet? Und warum? Fiel es euch schwer? 



Kommentare:

  1. Hi Kathrin,
    ich sehe es ähnlich wie du: Es kommt doch darauf an, wie sich die Mutter des Stillkindes ernährt. Was nützt es, wenn ich nicht vegan lebe und dafür das achso gesunde Fleisch esse, dafür aber keinerlei Obst, Gemüse, Vollkornprodukte bzw. Vollwertkost allgemein etc. zu mir nehme?! Die Antwort ist für mich klar: Niente! Ich finde es klasse, dass du dich so ausgewogen ernährst und dein Blut untersuchen lässt. Das mit dem Nahrungsergänzungsmitteln ist auch keine schlechte Idee. Mensch, ich hänge einfach zu sehr an Fleisch- und vor allem an Milchprodukten, sodass ich aktuell (zumindest noch) keine Veganerin werden möchte. Aber seit einigen Tagen achte ich endlich intensiver darauf, dass meine Familie und ich uns wieder ausgewogener und vollwertiger ernähren. Deine Tipps helfen mir dabei.
    Ach und zum Thema Langzeitstillen: Das "Lang" in diesem Begriff mag ich nicht so gerne, auch wenn dieser Begriff in unserer Gesellschaft allgemein verwendet wird. Nicht unnötig empfiehlt die WHO das Kind bis ca. 2 Jahre zu stillen. Ich selbst habe "nur" 13 Monate gestillt und das Abstillen fiel mir grausam schwer, weil es eine wundervolle Zeit war. Aber ich konnte leider nicht mehr durchhalten, da der Kleine GAR NICHTS anderes mehr essen oder trinken wollte und ich alle 15 bis 20 Minuten herhalten musste (auch nachts). Ich war einfach schon zu ausgelaugt und am Boden.
    Ganz liebe Grüße
    Elena

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  2. Liebe Elena,

    Da hast du recht. Allgemein ist vollwertige Nahrung wichtig. Auch Vegane Ernährung bringt rein gar nichts, wenn man sich nur von Pommes, Ketschup und fertigen veganen Bratlingen oder Fleischersatzprodukten (mit viel Fett und Salz) ernährt.

    Leider ist das "Langzeitstillen" (damit meine ich das echte! Also mindestens zwei Jahre) in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert. Aber mit den 13 Monaten hast du schon wesentlich länger Muttermilch gegeben als viele andere. Warum auch nicht? Jeder sollte das so handhaben wie er kann und möchte. Mein erstes Kind habe ich auch 13 Monate gestillt. Mein zweites 15.
    Mal sehen, wie lang dem 3. Kind und mir das noch gefällt.
    Das mit den furchtbaren Nächten kenne ich leider zu gut :( mit dem Essen hatten wir hingehen gar keine Probleme.

    Ich wünsche dir alles Liebe!!!!

    Vg Kathrin

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